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kyll - Eifel-Kurzkrimi

von Dirk Eickenhorst

 

Bonn: (Knacken, dann Rauschen, ein unverständlicher Fluch) „Verdammt, was soll denn diese Schei ... ah, jetzt." (Kurzes Rauschen, dann wieder ein Knacken)
„Kriminaloberkommissar Andreas Blank. Es ist Mittwoch, der 25. März 2009, 16 Uhr zehn. Soeben habe ich aus dem Autoradio erfahren, dass Hans Bechter aus der
forensischen Abteilung der rheinischen Landesklinik in Düren geflohen ist. Ich werde mich sofort auf den Weg machen, um dieses Schwein zur Strecke zu bringen. Dieses Tonprotokoll soll nur zur Dokumentation der Ereignisse dienen, für den Fall, dass mir etwas zustößt. Fahre jetzt von Bonn aus los, besuche zuerst die Landesklinik." (Kurzes Rauschen, dann ein Knacken) 


Düren: (Knacken) „Hans Bechter hat es irgendwie geschafft, den Schließmechanismus seiner Zelle zu manipulieren. Der Leiter der Forensik weiß noch nicht wie, die Ursache wird noch untersucht. Wie Bechter überhaupt das Gelände verlassen konnte, ist noch unklar. Klar ist: Er hat es verlassen. Bechter hat eine extrem gestörte Persönlichkeit ohne Aussicht auf Heilung. Er hat drei schwere Verbrechen begangen und lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung bekommen. Er hat drei junge Frauen vergewaltigt und anschließend regelrecht geschlachtet. Die Leichen hat er zerstückelt und in die Kyll geworfen, einen Fluss, der fast durch die ganze Eifel fließt. Der Kerl lebt in dem Wahn, die Kyll habe ihn auserkoren, „schlechte" Frauen von der Erde zu beseitigen. Er streift dafür das Ufer des Flusses entlang und tötet junge Frauen, die ihm dort begegnen. Opfer Nummer drei war Hannah, meine süße, kleine Schwester Hannah." (Die Stimme zittert, bricht, ein Schluchzen, Naseschniefen, dann zweimal Knacken) „Das war vor siebzehn
Jahren, Hannah war gerade sechzehn damals. Er hat sie auf dem Schulausflug nach
Gerolstein erwischt. Ich fahre jetzt nach Losheimer Graben an der deutsch belgischen Grenze. Da entspringt die Kyll. Dort beginnt die Jagd." (Knacken)


Losheimer Graben: (Knacken) „Bin hier mitten im verdammten Nirgendwo gelandet. Nur Wald, Wald, Wald. Der Dorfbulle hat nichts von Bechter gesehen oder gehört, erinnert sich aber an das Theater vor siebzehn Jahren. Hat 'ne Scheißangst gehabt, sagt er. Meint, der Irre wäre nicht in der Nähe, weil er hier in der Einöde keine Frauen findet. Die Kyll ist ja auch nur ein breiter Bach hier. Er meint, ich soll die Suche in Rockeskyll starten, ein Kaff mit 270 Einwohnern." (Knacken)


Rockeskyll: (Knacken, Rauschen, leiser Fluch) „... stding! Kann der Scheiß nicht
einfach mal normal funktionier ..." (Knacken, eine Sekunde nichts, wieder Knacken) „Ist der totale Reinfall hier. Erstens werden hier die Bürgersteige schon am Vormittag hochgeklappt, und zweitens habe ich von keinem der Dorfbewohner auch nur eine einzige, vernünftige Antwort bekommen. Noch nicht mal´n Scheißkaffee bekommt man hier in dem Kaff. Ich lasse jetzt ein Paar Dörfer aus und fahre direkt nach Gerolstein." (Zehn Minuten lang Rauschen, dann ...) „Verdammt, was ist das denn? Ich hab das Mistding doch abgesch ..." (Knacken)


Gerolstein: (Knacken) „Endlich! Eine heiße Spur! Die Beamten hier in der Stadt
haben mehrere Hinweise von aufmerksamen Bürgern erhalten. Bechter ist hier
durchgekommen. Hat sogar eine Nacht in einem der Hotels verbracht. Woher hat der eigentlich das Geld dafür? Ich werde sofort weiter, den Fluss runter. Ich kann das
Schwein schon regelrecht riechen!" (Knacken)


Birresborn: (Knacken) „Verdammt! Das Monster hat wieder zugeschlagen! Ein
Kollege hier aus Birresborn hat es mir erzählt. Hat ´ne junge Frau vergewaltigt, und in die Kyll geworfen. Zerstückelt hat er sie dieses Mal nicht, vielleicht wurde er gestört. Vielleicht hat er aber auch einfach kein Messer bekommen, das für seine perversen Zwecke ausreicht. Leider kam jede Hilfe zu spät. Die Sache ist noch taufrisch, keine Stunde her. Oh mein Gott, die Kleine ist wahrscheinlich noch nicht mal kalt ..." (Schluchzen) „... Hannah, süße Hannah! Ich werde mein Versprechen einlösen! Ich werde das Drecksschwein zur Hölle schicken, damit andere Brüder nicht ihre Schwestern verlieren, damit nie wieder Eltern ihre süße Tochter geschunden und zerlegt identifizieren müssen. Die Leiche der Kleinen wurde nahe Mürlenbach gefunden, er ist jetzt also wahrscheinlich auf dem Weg nach Densborn, weiter flussabwärts. Mache mich sofort auf den Weg. Hoffentlich fragen die Polizisten hier nicht in Bonn nach. Wenn die erfahren, dass ich hier nicht auf einer offiziellen Tour durch die Eifel bin, bin ich erledigt." (Knacken)


Densborn: (Knacken, lautes Rauschen, Geräusche wie Schritte auf Kies, dann laute,
schnelle Atemgeräusche) „Mann, ist das anstrengend ..." (keuchende Töne) „... Ich ...
ich laufe ... jetzt schon seit viereinhalb Stunden den verdammten Scheiß Fluss entlang, und ich glaube, ich bin dem Irren tatsächlich auf den Fersen! 

 

Ende der Leseprobe

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Diese Geschichte von 2009 wurde für den Wettbewerb "Tatort Eifel" verfasst. Sie erscheint Mitte 2012 zusammen mit einigen anderen Geschichten als eBook bei Amazon.de.
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