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07. Juli 1341 NGZ
Im Orbit um Aralon 


Dunkelheit.
Die erste Sinneserfahrung, die Perry Rhodan machte, als er aus der schwarzen Tiefe einer Ohnmacht ins bewusste Leben zurückkehrte. Der Terranische Resident öffnete die Augen. Das künstliche Licht blendete. Instinktiv schloss Rhodan seine Augen wieder. Er überwand den Reflex, öffnete die Lider einen Spaltbreit und zwang sich, das schmerzhaft auf seinen Sehnerv einstürzende Licht zu ertragen. Sekunden später ließ der Drang nach, sich dem Licht zu entziehen. 


Wo bin ich hier?, fragte sich Rhodan.
Warum bin ich hier?, fügte sein Geist hinzu. 

 
Er fand auf diese Fragen keine Antwort. Weder gab ihm das, was er um sich herum
wahrnahm, Aufschluss darüber, wo genau er sich befand, noch fand sein sonst so
zuverlässiges Gehirn eine Information, wie es zu der Ohnmacht kam, aus welcher er soeben erwacht war. Schmerzen hatte er nicht, abgesehen von denjenigen, die einen
neununddreißig-jährigen Terraner allgemein plagten. Der Unsterbliche sah nicht nur aus wie ein gesunder Mann um die Vierzig, er fühlte sich auch so. Schier unglaublich schien es ihm, dass er überhaupt lebte, denn sein Geburtstag war der 8. Juni des Jahres 1936 n. Chr. und lag unvorstellbare 2992 Jahre zurück. Mit neununddreißig hatte er auf Wanderer, der Heimstatt der Superintelligenz ES, eine Zelldusche erhalten, die seinen Alterungsprozess stoppte. Alle 62 Jahre erneuerte ES die Zelldusche. Im Jahr 2103 dann erhielt er den Zellaktivator, den die Kosmokraten für ihn vorgesehen hatten. Ein Gewinn, wenn auch ein schmerzlicher, denn untrennbar verbunden mit der Erlangung seines Zellaktivators war der tragische Tod seines Sohnes, Thomas Cardiff. Dieser hatte sich damals gegen seinen Vater gestellt, und mit dem Leben dafür bezahlt. Ihm brachte der Zellaktivator nicht die relative
Unsterblichkeit, sondern den Tod. Unbewusst griff sich Rhodan an die Stelle über seinem Brustbein, an der vor langer Zeit der eiförmige Aktivator an einer Halskette hing. Im Jahr 1174 Neuer Galaktischer Zeitrechnung implantierte ES einen Zellaktivatorchip in seiner linken Schulter. Dadurch war es Rhodan möglich gewesen, die vergangenen fast drei Jahrtausende zu erleben. 


Weiter jetzt!, dachte Rhodan. 


Er war auf einem Raumschiff, so viel war ihm klar. Boden und Wände waren aus
Terkonitstahl und zum Teil kunststoffverkleidet. Fenster sah er nicht. Einige kaum
wahrnehmbare Linien an den Wänden deuteten auf automatische Türsysteme hin. Weder Schilder noch Beschriftungen gaben Perry Aufschluss über seinen Standort. Der Resident der Liga Freier Terraner warf einen Blick auf seinen Armbandkommunikator. Das heißt, auf die Stelle, an der sich der Kommunikator für gewöhnlich befand. Das Gerät war verschwunden.


„Verdammt!", entfuhr es ihm. Also kein Kontakt zur Außenwelt. Er atmete tief durch, stand auf und ging den Gang entlang. Er stellte fest, dass tatsächlich einige der Linien an den Wänden Türspalte waren. Er durchschritt eine Tür, die sich vor ihm öffnete, fand aber nur einen weiteren sehr langen Flur.
Hinter einer Biegung entdeckte er eine Station der Bordpositronik. Rhodan nahm einige Schaltungen an der Konsole vor, konnte aber lediglich in Erfahrung bringen, welches Datum die Positronik dem laufenden Tag zuordnete. Es war der 07. Juli 1341 NGZ. Und der Standort des Raumschiffs ließ sich ablesen: 24 km über Aralon.

  
Überraschend ungenau, dachte der Resident. 


Aralon also. Rhodan hatte keine Ahnung, warum er sich hier befand. Aralon war die Heimat der Aras, die gemeinhin als „Galaktische Mediziner" bekannt waren. Er erinnerte sich schemenhaft an Ereignisse im Zusammenhang mit einem Toxin, das ganze Welten zu verheeren imstande war. Er entsann sich, mit Julian Tifflor, dem Residenzminister für LFT-Außenpolitik gegen den Mantar-Heiler Trantipon und andere kriminelle Aras im Einsatz gewesen zu sein. Perry Rhodan fiel auf, dass seine aktuellste Erinnerung im Zusammenhang mit diesem Einsatz im Jahr 1340 NGZ stand. Heute war der 7. Juli 1341. 


Wo ist das letzte Jahr geblieben?, dachte er. 

 

Der Unsterbliche beschloss, sich fürs Erste mit diesem Informationsmangel abzufinden, und weiter nach einem Ansprechpartner auf dem Raumschiff zu suchen. Irgendjemand musste schließlich dieses Schiff steuern. Er schritt durch viele Türen, jedoch brachten auch diese ihn nur in die ewig gleichen Flure. Mehrfach schien es Rhodan, als ginge er im Kreis. Nachdem er eine weitere Tür hinter sich gebracht hatte, bemerkte er etwas. Eine Tür, etwa zweihundert Meter entfernt, stand offen. Grünliches Licht drang auf den Flur hinaus. Der Resident beschleunigte seine Schritte. 


„Hallo? Ist dort jemand?", fragte Rhodan. Er erhielt keine Antwort. 


Rhodan erreichte die Tür, stellte sich mit dem Rücken an die Wand neben sie und wartete einige Sekunden. Kein auffälliges Geräusch, abgesehen von einem leisen Summen irgendeines Geräts. Der Unsterbliche sah hinein. In dem Raum stand ein Käfigtransmitter, von dem sowohl das Summen als auch der grüne Lichtschein abgegeben wurden. 

 

Ein Weg nach draußen, dachte er. 


Perry Rhodan widerstand dem Drang, der bedrohlichen Umgebung des entvölkerten
Raumschiffs zu entkommen, indem er einfach in den Transmitter ging. Eine gute
Entscheidung, denn urplötzlich schwoll das Summen des Transmitters zu einem lauten Dröhnen an und das grüne Licht spie eine riesige, dunkle Gestalt aus. Der Unsterbliche ruckte zurück, neben die Tür. Seine rechte Hand zuckte an die Hüfte, wo er seinen Kombistrahler trug. Er hatte nicht erkennen können, wer oder was aus dem Transmitter getreten war. Er vernahm Schritte, die sich der Tür näherten. Schwere, laute Schritte. Ein Roboter? Rhodan ergriff seinen Kombistrahler. 


Die riesige Gestalt trat aus dem Transmitterraum in den Flur hinaus, ohne Rhodan zu
bemerken, der noch immer neben der Tür stand. Rhodan erkannte die Person sofort. Bei der schwarzen, 3,50 Meter großen Gestalt handelte es sich um niemand Geringeren als Icho Tolot, mit dem ihn eine tiefe, lange Freundschaft verband. Perry atmete erleichtert auf, und ließ den Strahler sinken. 


„Tolotos! Alter Freund, schön dich hier zu sehen. Hast du eine Ahnung, was ich ..."


Weiter kam der Unsterbliche nicht. Der Riese fuhr herum, erkannte Rhodan, und sofort verfinsterte sich sein Gesicht zur hasserfüllten Fratze. 


„Rhodan!", donnerte Tolot.
„Mörder!", schickte er verächtlich hinterher, und raste, auf zwei seiner vier Arme gestützt, mit hoher Geschwindigkeit auf den Terraner zu. Er erhob eine der zwei freien Hände und ballte sie zur Faust. Wie ein gewaltiges Geschoss sauste der Haluter auf Perry Rhodan zu. Der Resident sprang geistesgegenwärtig zur Seite. Die Faust krachte in die Wand an genau der Stelle, wo sich noch einen Sekundenbruchteil zuvor Perrys Kopf befunden hatte, und hinterließ eine riesige Beule.

 

Ende der Leseprobe

Kommentar des Autors
Diese Kurzgeschichte entstand für einen Literaturwettbewerb und wurde später in der Ausgabe 54 des Magazins "SOL" veröffentlicht. Sie wird zusammen mit einigen anderen Storys Mitte 2012 als eBook bei Amazon.de erscheinen.
Unangemessener Inhalt

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